Ja, ich schreibe noch

Ich weiß, ich habe schon länger nichts von mir hören … äh, lesen lassen. Hören schon, bin im Brotberuf Anrufbeantworter, aber zu lesen gab es nix.

Das liegt hauptsächlich daran, dass ich an Buch Nummer Zwei arbeite. Schleppend, aber kontinuierlich. Ich gewähre einen kurzen Einblick:

Das Schweigen zwischen ihnen war von gellender Wolllust geprägt. Jedes unausgesprochene Wort formulierte die erotische Spannung, die sich zwischen ihnen aufgeladen hatte.

»Ich muss nach Hause«, flüsterte Heidemarie, als sie sich David zuneigte. Inzwischen hatten sich all ihre Hände ineinander verkrallt.

»Ich weiß«, antwortete David.

Der anschließende Kuss schmerzte beinahe. Ihre Lippen trafen sich mit einer Heftigkeit, die zumindest David noch nicht kannte. Er löste seine Hände, packte Heidemaries Hüfte unter dem leichten Leibchen, das sie trug, und drückte sie an sich. Vermutlich stärker, als er beabsichtigt hatte. Sie umschlang seinen Hals so fest, dass sich David, selbst wenn er wollte, nicht von dem Kuss hätte lösen können.

Wie lange sie in dieser Position verharrten, vermochte keiner von beiden zu sagen. Heidemaries Straßenbahn allerdings war längst wieder abgefahren. Die nächste ließ noch etwas auf sich warten. Keinen Augenblick später küssten sie sich erneut.

David spürte sein inzwischen hartes Glied, das sich unweigerlich gegen Heidemaries Bein presste. Und auch, wenn sein Kopf mit anderen Dingen beschäftigt und diese Reaktion eigentlich natürlich war, war es ihm unangenehm.

Heidemarie ließ sich nichts anmerken. Sie küsste mit unverminderter Euphorie weiter und löste sich erst nach Luft schnappend, als David, der es irgendwie geschafft hat, auf ankommende Züge zu achten, mit einem Tippen auf die Schulter ihre Aufmerksamkeit umzulenken. Im Nachhinein betrachtet hätte sich David nicht vom Fleck gerührt und Heidemarie am Liebsten die ganze Nacht lang geküsst. Aber etwas in ihm war dann doch Gentleman genug, sie ziehen zu lassen, hatte sie doch bereits vor Minuten angemerkt, nach Hause zu müssen.

und

Sein erstes Mal hatte sich David anders vorgestellt. Er konnte nicht genau sagen, wie, doch mit Sicherheit nicht mit Heidemarie, nicht in ihrem Bett, nicht mit dieser Musik im Hintergrund. Die Atmosphäre roch nach Klischee. Nach dem »was man so hört«.

Seine Gedanken, seine Aufmerksamkeit wechselte von Heidemarie, die ihn eng umschlungen festhielt und küsste, zu seinen Händen und seinem Mund und dem, was er mit beidem spürte, zu dem, was er zu tun müssen glaubte.

Langsam entledigten sie sich ihrer Kleidungsstücke, bis sie sich am Ende splitternackt gegenüber saßen. David war seine Vorfreude anzusehen. Er empfand ein Gefühl der Scham. Diese wortwörtliche Entblößung war ihm in diesem Moment nicht geheuer. Zu offensichtlich war seine Zuneigung.

Keine Minute später klebten ihre Körper aneinander. Sachte spürte David Heidemarie. Er genoss den Moment, als er in sie eindrang, und ließ ihr Gesicht dabei nicht aus den Augen. Er wollte ihre Mimik lesen, wissen, was sie empfindet, wie sie ›dabei‹ aussieht.

Nach anfänglichem Zögern wurden ihrer beiden Bewegungen schneller und heftiger.

David kam es nicht einmal wie Minuten vor, als er mit einem heftigen Atemstoß seinen Höhepunkt verkündete. Er genoss aber die Bewegung und das Gefühl, das mit ihr einher ging, zu sehr, um einfach aufzuhören. Er stieß noch ein paar Mal zu.

Heidemarie drückte ihn, obwohl er schon auf ihr lag, noch fester an sich. Sie lächelte. Er küsste ihre Wangen, ihre Stirn, sie hinter den Ohren, ihren Hals, ihre Brüste, … David empfand eine Euphorie, die stärker war, als die körperliche Erschöpfung, die ihn versuchte zu übermannen.

In seinem Kopf rasten die Gedanken, die Gefühle. Mit jeder Faser seines Körpers wollte er Heidemarie festhalten, um sie auf ewig an sich zu spüren.

Was davor passierte, was danach kommt und ob Heidemarie auch in der Endfassung so heißen wird (ist sperrig, der Name), erfahrt ihr, wenn es der Roman ist.

(Und lektoriert wird diesmal g’scheit.)

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Intermezzo

Stimmt, ich wollte mehr schreiben. Die gute Nachricht: Das mache ich. Die schlechte: nicht hier. Also nicht im Blog. Ich schreibe am neuen Buch weiter, habe das erste an drei, vier, mehr Stellen verbessert und sinniere über einem weiteren Text für einen Bewerb. Nicht, dass ich an Chancen glaube oder daran fertig zu werden …

Das ist das Schlimme an Urlaub. Man hat so viel Zeit, nimmt sich so viel vor und am Ende müsste man den Job hinschmeißen, damit es sich ausgeht.

Nebenbei stehe ich mit dem Kulturzentrum Schmelze für eine weitere Lesung in Kontakt und überlege auch bei anderen kleineren Buchhandlungen mal anzufragen. Nur welchen? Daher erst mal die Überlegung.

Geschichten, wie sie das Leben schreibt

Nachdem es in meinem Roman »(v)erleiden« um nichts Übernatürliches geht und auch das nächste Buch, an dem ich gerade schreibe, mehr oder minder auf dem Boden der Tatsachen bleibt, erkennt man, glaube ich, meinen Faible für Geschichten aus dem Leben.

Letzten Herbst verteilte die IG Autoren einen Aufruf vom Unterstützungskomitee zur Integration von MigrantInnen, das Schriftsteller suchte, die die Geschichten von Flüchtlingen niederschreibt. Ich habe mich natürlich gemeldet, sonst würde ich das hier nicht erwähnen. Das Projekt sollte Anfang Oktober starten.

Auf Nachfrage vor ein paar Wochen wurde ich um Geduld gebeten. Offenbar hat man Mühe, Menschen zu finden, die ihren Weg aus dem Kriegsgebiet nach Österreich erzählen können oder wollen.

Eher zufällig habe ich über Facebook einen jungen Mann kennengelernt, der aus einer syrischen Stadt an der Grenze zur Türkei den Weg nach Österreich geschafft hat. Er plagt sich mit Deutsch, lernt brav und hat Träume, die aus Lohn aus harter Arbeit bestehen.

Er hat sich bereiterklärt, seinen Weg so gut es geht niederzuschreiben. Anfang Februar habe ich Urlaub. Da werde ich daraus eine Geschichte klöppeln. Ich bin neugierig. Ich hoffe, ihr, meine Leser, auch.